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Die IVCG

 
Ausgabe 02/01 

Rundum fit Wunschtraum oder Wirklichkeit?

 

Kürzlich las ich in einer Tageszeitung eine Überschrift: «Gestresste stressen die Wirtschaft.» Krankheiten, Absenzen und Produktionsausfälle verursachen enorme Folgekosten. («Südostschweizerische Zeitung» vom September 2000)

Als Leiterin der Ausbildung für Wellness-/ Gesundheitstrainer der Internationalen Akademie für Gesundheitsförderung werde ich immer mehr darin bestätigt, mich der Gesundheitsförderung noch mehr zu widmen. In der heutigen Zeit brauchen wir Aufklärung und Umsetzung, damit die Kosten im Gesundheitswesen gesenkt werden können.

Immer mehr Schweizer (in angrenzenden Ländern ist dies nicht anders) leiden unter Stress, wie eine Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft zeigt: «Unter den 900 befragten Berufstätigen fühlt sich ein Viertel oft oder sehr oft gestresst, jeder Achte spürt als Folge ernsthafte, gesundheitliche Probleme. Der Stress kostet die Wirtschaft jährlich 4,2 Milliarden Franken.»

Das heisst, über 80 Prozent der Berufstätigen lebt mit Streßsymptomen. Dies ist keine Modeerscheinung, sondern ein echtes Problem. Eine Studie von 1984 belegt, dass damals weitaus weniger Personen unter diesem Symptom gelitten haben.

Von den 4,2 Milliarden Franken entfallen ein Drittel auf ärztliche Behandlung der Betroffenen, 348 Millionen sind Medikamentenkosten und auf 2,4 Milliarden belaufen sich die Kosten für Absenzen und Produktionsausfälle. Der Gesamtbetrag entspricht 1,2 Prozent des Bruttoinlandprodukts und verdoppelt sich gar, wenn stressbedingte Berufskrankheiten und Arbeitsunfälle mit einberechnet werden. Stress ist das zweitgrösste arbeitsbedingte Gesundheitsproblem. Die Schweiz ist im internationalen Vergleich durchschnittlich betroffen.

Die Folgen sind erhöhte Nervosität, Reizbarkeit, Rückenschmerzen, Hals- Nackenverspannungen, Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, depressive Verstimmungen, darüber hinaus können ernste Herz-Kreislaufprobleme, Gallen und Nierenleiden, Bandscheibenvorfälle etc. in diesen Komplex eingeschlossen werden.

Die Fitnessbranche öffnet ihre Tore


Dem gegenüber öffnet die Fitnessbranche ihre Tore. Auch die Touristenbranche boomt. Immer mehr Wellnesshotels und ihre Angebote gewinnen an Beliebtheit. Das Verlangen nach Wohlgefühl und Ausgeglichenheit rückt immer mehr in den Vordergrund. Ein Trend, der angesichts der immer stärker werdenden Leistungsgesellschaft nicht zu stoppen ist.

Kein Wunder, es ist ein Urverlangen des Menschen, ausgeglichen, vital und gesund zu sein.

Spricht man von Fitness, so sehen viele den «ausgepumpten» Triathleten oder den Gewichtsheber im Fitnesscenter vor sich. Vielleicht denken auch einige: «Man sollte sich mit dem passenden Outfit vor dem Spiegel nach dem Takt der Musik bewegen können. » Geworben wird mit dem idealen Body und dem rechten Styling. «Schlank, rank und schön» ist die Devise; doch für viele leider ein nur oft geäusserter Wunschtraum. Sehr schnell kann Krankheit oder Unfall einen Strich durch die Rechnung machen. Fit, gesund und vital – nur eine Berechnung auf Zeit?

Wellness muss ganzheitlich verstanden werden


Für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) umfasst Gesundheit die körperlichen, seelischen, spirituellen, ökologischen und sozialen Bereiche. In der hebräischen Sprache sind diese fünf Begriffe im Wort «shalom» zusammengefasst.

Fitness kann sich also nicht, wie es so mancher zu verstehen versucht, allein auf den Körper beschränken. Es muss ein Ganzes werden. Eine einseitige Betonung des Körpers und die Vernachlässigung von Geist und Seele führen zu einer Disharmonie und machen krank. Genauso das Gegenteil: Kümmert man sich nur um Geist und Seele und vernachlässigt den Körper führt dies zur Abnahme der Organleistungsfähigkeit und somit zu Einschränkungen der Lebensqualität.

Was hat es denn auf sich mit der gesunden Beziehung zu Körper, Seele und Geist?

Die Bibel zum Begriff Wellness


Persönlich betrachte ich die Gesundheitsförderung aus biblischer Sicht. Es erstaunt mich, was die Bibel dazu sagt.

Bereits in 1. Mose, Kapitel 1 sehen wir den ganzheitlichen Aspekt. So schuf Gott zuerst den ökologischen Bereich. Er machte die Erde, dann setzte er die Sterne, den Mond und die Sonne an den Himmel, dann liess er die Pflanzen wachsen und setzte die Tiere auf die Erde. Er nahm Staub von der Erde, also aus dem ökologischen Bereich und formte den Menschen. Zuletzt blies Gott dem Menschen den Lebensatem ein. Der Mensch wurde als Krone der Schöpfung gemacht, ein Ganzes, und Gott sprach: «Es ist sehr gut.»

Wenn also Gott ganzheitlich denkt und handelt, sollten wir Menschen dann nicht auch in ähnlicher Weise unser Ganzes pflegen: Körper, Seele und Geist?

Durch den Einfluss der Leistungsgesellschaft wird oft die Meinung vertreten: Fitness sei mit Leistung gleich zu setzen. Fitness hat jedoch nichts mit Leistung, sondern mit Gesundheit zu tun. Gesundheit laut WHO ist ein Ganzes.

Was nützt es dem Menschen, wenn er im Körper gesund ist, jedoch in der Seele krankt. Ein kranker Körper und eine kranke Seele führen zu Hoffnungslosigkeit. Hingegen kann ein Mensch mit krankem Körper, aber einer gesunden Seele sehr viel Mut und Hoffnung in eine Welt voller Hoffnungslosigkeit bringen.

So ist es also selbst mit dem körperlich besten Fitnesstraining nicht möglich, wieder alles auf die Reihe zu bringen, geschweige denn 100 Jahre lang jung zu bleiben wie ein 20jähriger.

Stress kann umgewandelt werden


Wir werden älter, und mit dem Älter werden nimmt die Organleistungsfähigkeit ab. Damit sind wir aber nicht entschuldigt. Denn eine Zivilisationskrankheit, wie am Anfang beschrieben, kommt nicht nur von allein;

  • zu 20 % liegt es in der Vererbung

  • zu 20 % liegt es am Umfeld

  • zu 10 % kann die Medizin etwas dazu tun, ob es mir besser oder schlechter geht.


Da bleiben noch 50% Eigenverantwortung. Und das kann man durch eine ausgewogene Lebensführung, verbunden mit einer nicht leistungsorientierten Bewegungstherapie sehr wohl beeinflussen.

Durch ein regelmässiges körperliches Training, das jeweils der eigenen Gesundheit, dem jeweiligen Alter und auch der Lebenssituation angepasst ist, entsteht ein Wohlbefinden. Das wiederum führt zu mehr Leistungsfähigkeit. Hinzu kommt unbedingt eine ausgewogene Ernährung und regelmässige Entspannung.

Eine grafische Darstellung, entnommen aus meinem Buch «Rundum fit», soll dies verdeutlichen: (siehe entsprechnede pdf-Datei)

Eine Bewegungstherapie: Mehr Lust als Last


Das ist nur möglich, wenn man sich während einem Training noch gut unterhalten kann. In dem Moment, wo man sich vermehrt bewegt, erhöht sich die Sauerstoffzufuhr, es wird Energie gewonnen. Trainiert man zu schnell und zu intensiv, so kann der Körper weniger Sauerstoff aufnehmen, es kommt zu vorzeitigen Ermüdungserscheinungen. Im physiologischen Bereich führt dies zur vermehrten Ausschüttung von Noradrenalin, was Frust und Unlust zur Folge hat. Ist man im Beruf bereits stark gefordert, sollte man sich in der Freizeit, während einem Training, nicht auch noch stressen. Radeln, schwimmen oder laufen sie also so, dass sie sich noch gut unterhalten können.

Bewegung beginnt im Denken und nicht in den Beinen. Einige Tipps sollen helfen, das praktisch umzusetzen:

  • Nehmen Sie die Treppe statt Lift oder Rolltreppe.

  • Stellen Sie das Auto beim Einkaufen zuhinterst ab. Ein paar Schritte mehr und Sie fühlen sich wohler.

  • Versuchen Sie im Büro regelmässig aufzustehen, z.B. wenn ein Anruf kommt.

  • Machen Sie einen Abendspaziergang mit Ihrem Ehepartner und den Kindern, statt sich vor den Fernseher zu setzen.

  • Stehen Sie 20 bis 30 Minuten früher auf; es lohnt sich, das Frühstück in aller Ruhe zu geniessen.

  • Ein kurzer Marsch um die Firma nach dem Mittagessen wird Sie wieder in neuen Schwung versetzen.


Nochmals: Das regelmässige körperliche Training, das der eigenen Gesundheit, dem Alter und auch der jeweiligen Lebenssituation angepasst ist, bewirkt ein Wohlbefinden. Dies kann durch Walking, Jogging, Schwimmen etc. aber auch durch Entspannungsübungen nach Jacobsen1 geschehen. Ergänzend kann eine ausgewogene Ernährung ohne Fanatismus dieses Wohlbefinden erheblich steigern. Und seelische geistliche Harmonie steigert Fitness und Wohlbefinden. Was wiederum zu mehr Lebensqualität führt.

Jeder Mensch ist einzigartig


Zu einem entspannten Lebensstil, der fit, vital und gesund macht, gehört auch die Bejahung der Grenzen. Alle Menschen werden als Original geboren, doch leider sterben viele als Kopie. Persönlich bringt mich die Funktion des Körpers immer wieder ins Staunen.

David sagt in einem Psalm: «Herr, ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! Grossartig ist alles, was du geschaffen hast – das erkenne ich!» Erkennen wir, dass wir wunderbar gemacht sind?

Unser Wert ist nicht abhängig von dem, was wir in erster Linie leisten, sondern von dem, was wir sind. Gott hat jeden Menschen als einzigartiges Wesen mit verschiedenen Fähigkeiten geschaffen. Jeder Mensch ist einmalig. Der Beweis dafür liegt im Fingerabdruck. Das ist es eigentlich, was uns so wertvoll macht.

Durch Jesaja sagt uns Gott: «Unauslöschlich habe ich deinen Namen auf meine Handflächen geschrieben, deine zerstörten Mauern habe ich ständig vor Augen!»

Vor meinem Schöpfer, der mich gemacht hat, muss ich nicht etwas sein, was ich nicht bin. Und das führt zu Entlastung, Entstressung und Entspannung. Einfach ausgedrückt: Zum ganzheitlichen Wohlbefinden, was Fitness im eigentlichen Sinn beinhaltet.

Wir sind wertvoll, weil es uns nur einmal gibt. Und weil jeder Mensch sehr wertvoll ist, sollte man zu sich selbst auch Sorge tragen in allen Teilbereichen – körperlich, seelisch und geistlich.

Regelmässiges Training

  • bewirkt eine Normalisierung des Stoffwechsels; die Durchblutung wird gefördert

  • wirkt sich positiv auf das Herz-Kreislauf- System aus

  • vermehrte Entspannungsfähigkeit bedeutet weniger Rücken- und Hals- Nackenverspannungen; das heisst mehr Wohlbefinden, bessere Leistungsfähigkeit in Beruf und Familie

  • die Ausdauerfähigkeit nimmt zu, was sich positiv auf erhöhte Belastungen auswirkt

  • physiologisch verleiht ein regelmässiges Training mehr Willensspannkraft, das Durchhaltevermögen und die Überwindung von sich selbst werden erhöht.


Seelisches und geistiges Training heisst:

Wir sind von Gott eingeladen mit ihm zu leben, und er will uns Geborgenheit schenken, auch wenn der Körper bedroht ist von Krankheit und Unfall.

Jesus Christus kam auf diese Welt um uns Menschen von Schuld zu befreien. Er ist während seiner Amtszeit sehr weite Stecken gelaufen und besass vor allen anderen die nötige Willensspannkraft, Durchhaltevermögen und Überwindung für seinen Dienst. Jesus Christus kam auf diese Welt, damit jeder, der ihm vertraut und das Geschenk der Vergebung persönlich in Anspruch nimmt, ewiges Leben erhält.

Fitness und Wohlbefinden sind unzertrennlich. Römer 12, Vers 1 fordert uns auf: «Weil ihr Gottes Barmherzigkeit erfahren habt, fordere ich euch auf, mit Leib und Leben für Gott dazusein. Seid ein lebendiges und heiliges Opfer, das Gott gefällt. Einen solchen Gottesdienst erwartet er von euch.»

Mit «Leib und Leben» meint den ganzen Menschen, körperlich, seelisch und geistig.

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1 bewusste Muskelanspannung und -entspannung


Die Autorin

Doris Siegenthaler

Doris Siegenthaler

CH-Gams

verheiratet mit Ruedi Siegenthaler; 3 Kinder im Alter von 19 – 23 Jahren staatlich diplomierte Fitnesslehrerin, Gründerin der Bewegungsschule Rundum fit GmbH, Bücher, CD’ und Videos zum «Fitness- und Gesundheitsprogramm für jedermann» sind erhältlich.

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