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Die IVCG

 
Ausgabe 09/01 

Führen durch Beziehungspflege?

 

Die Fragen


Kann ich die Fähigkeit erarbeiten, herzliche und dauerhafte Beziehungen zu gründen und zu erhalten? Wie erfülle ich die entscheidenden Führungsprinzipien und finde zu Glaubwürdigkeit und Vertrauen? Wie kann ich den gestellten Anforderungen an eine Führungskraft begegnen?

Die Situation heute


Unter dem Deckmantel Fusion erleben wir täglich die Schock-Therapien in der Wirtschaft. Deren Manager sind oft Instrumente wie Opfer des Systems. Fusion dient auch als Mittel zum schnellen Ausräumen strategischer Managementfehler unter Schonung derjenigen Cracks, die sie begangen haben. Fusionshelden werden gefeiert. Das ist gefährlich, weil sie selbst immer wieder gewinnen wollen, koste es was es wolle – und es kostet in der Regel viel.

Wo bleiben die zwischenmenschlichen Beziehungen? Sie kommen unter die Räder. Oftmals wurden sie gar nicht aufgebaut, sind inexistent. Der Einzelne steht allein da. Unsere Identität in der Arbeitsgesellschaft ist immer eine erarbeitete Identität. Unseren Eigenwert messen wir normalerweise an der Wertschätzung anderer Menschen. Die Mehrzahl unserer Probleme in Ehe, Familie, Beruf, Firmenleben sind nicht Sachfragen, sondern Beziehungsprobleme.

Die Anforderung


Für eine erfolgreiche Führungskraft sind nicht nur Führungstechniken gefragt, denn der Chef sollte sein Herz emotional auf dem richtigen Fleck haben. Mit einem Herzen für andere bringt er sich persönlich ein. Er schafft Beziehungen, er baut und pflegt sie. Es bedarf auch der Gelassenheit einer starken Persönlichkeit, um unter allen Umständen den Beziehungen Aufmerksamkeit zu schenken. Gelassenheit tut Not in den Wirbelstürmen des gesellschaftlichen Wirrwarrs und in der Mittagshitze wirtschaftlicher Veränderungen.

Der beste Weg zur Gelassenheit ist die wachsende Einsicht: Du bist mehr als die Rolle, die du spielst. Du bist mehr als die Funktion, die du ausübst. Du bist mehr als die Karriere, die du machst. Du bist vor allem und hinter allem zuletzt der, der du dir selber und deinen Freunden bist.

Gerade darum haben alle, die an die Spitze wollen – oder dort bleiben möchten – Menschen nötig, die ihnen in Partnerschaft, Ehe und Familie in Freundschaft zugetan sind. Wer in der grellen Sonne des Spitzenplatzes nicht einen Hitzschlag erleiden will, braucht den kühlenden Schatten persönlicher Beziehungen, auch in seinem Berufsumfeld.

Die Hindernisse


Einige Worte zu Erwartungen, auch zur Erwartungshaltung in einer Beziehung, weil dies so wichtig ist. Die Mitarbeiterin, der Mitarbeiter und auch der Kunde haben Erwartungen an die Firma und an deren Führungsleute. Hauptursachen für Schwierigkeiten bei Beziehungen in Familie und Unternehmen sind vage, zweideutige, unausgesprochene oder unerfüllte Erwartungen. Es herrscht ein sogenanntes MbA, ein Management by Assumption! Das geschieht oft, ist aber verkehrt wie nachhaltig gefährlich! Man nimmt an, dass... weil dies und jenes gesagt wurde; man meint, dass... weil dieser oder jener sich so verhalten hat. Sich mutig und entschlossen nach der wahren Bedeutung oder Ursache eines Verhaltens oder einer Aussage zu erkundigen, wäre gelebter, gegenseitiger Respekt. Bei Spannungen in den Innenbeziehungen einer Arbeitsgemeinschaft, wo jede Gruppe (Kader, Angestellte, Kunden etc.) ihre eigenen Interessen hat, sind die aus unerfüllten Erwartungen resultierenden Konflikte sehr gefährlich und oft Anlass zu Misstrauen und Fehlentscheidungen.

Erwartungen sind Hoffnungen und Wünsche, die wir auch für unser Berufsleben haben. Sie sind auch das Produkt früherer Erfahrungen und Beziehungen. Sie beruhen nicht in jedem Fall auf Realität. Erwartung und Realität sind zwei Paar Schuhe. In einer sauberen Arbeitskultur ist es enorm wichtig, das Problem gegensätzlicher Erwartungen zu lösen. Nichts steht für immer fest. Jederzeit ist alles möglich, kann alles geschehen, insbesondere in solid gedachten Beziehungen.

Unmögliche Charaktere mag nicht jedermann. Nur der Harmonie zuliebe soll man nicht alles tun und sich durch einen Filter der Sozialverträglichkeit pressen lassen. Man akzeptiert andere Meinungen. Konflikte, offen ausgetragen, sind ehrlicher und wohltuender als Intrigen.

Wir leisten uns heute Misstrauen und vergeuden eine ungeheure Menge Potenziale. Die Vertrauenskultur muss wachsen, auch durch Vorleben. Wir brauchen allerhand Feingefühl, Zurückhaltung, Liebe, aber auch klare Worte, Konfliktfähigkeit, fruchtbare Auseinandersetzungen! Keine Stimmungen «Friede, Freude, Eierkuchen», begleitet von latenter Unehrlichkeit!

Das Vertrauen


Vertrauen bekommt man nicht geschenkt, man muss es sich erwerben im kontinuierlichen, umgänglichen Miteinander. Vertrauen ist ein gegenseitiger Prozess. Vertrauen gewinnt man, indem man es gewährt. Es bedarf des Vorschusses, gelegentlich riskanter Vorleistung.

Das Risiko der Ehrlichkeit ist uns zu gross. Ehrlichkeit erzeugt Konflikte. Wir vermeiden sie: in der Ehe, in der Familie, im Berufsleben, und so gehen Beziehungen kaputt.

Für mich ist es sehr klar geworden, nur wenn ich Gott in mein Leben hinein schauen lasse, werde ich für andere durchsichtig. Echte Transparenz ist hochkonzentrierte Eiweissnahrung für jede Beziehung. Die Wahrheit sage ich mir nicht selbst, sie wird mir gesagt!

Die Krise ist Chance


Wenn aber Veränderungen aufkommen, z.B. bei einem Strategiewechsel im Unternehmen, was dann? Oft sind personelle Desaster und Karriereknicks die Folgen.

Wir reden öfters von Karriere machen. Was aber, wenn die Karriere vermeintlich vorbei ist, wenn Verletzungen durch einen nicht geradlinigen Verlauf eintreten? Das nennen wir Karriere- Knick. Der Begriff suggeriert einen gewaltsamen, äusseren Eingriff, der verwundet, einen unheilbaren Schaden anrichtet, von dem man sich nie wieder erholen wird. Karriere wird in diesem Bild als Gerade verstanden. Abweichungen werden in Verbindung mit Schuld, Unvermögen und Schande gebracht. Das Bild ist falsch und führt zu einer negativen, emotionalen Beurteilung und oft zu verhängnisvollen, psychischen Folgen.

Auf dem Weg zur beruflichen Leistung im Rahmen der eigenen Möglichkeiten ist jedes Straucheln verpönt. Bloss keine Fehler! Sie machen rasch die Runde und nicht ohne Grund fürchtet man sich vor Beziehungsverlust, vor Schadenfreude. Erfahren wird ein solcher Knick von allen gleich. Es ist, wie Gründe und Hintergründe auch immer sein mögen, ein psychischer Schmerz, eine Welle von negativen Gefühlen, von Depression, Trauer, Resignation, vermischt mit Wut und Auflehnung. Nicht alle können das überspielen.

Die Palette der eigenen Erklärungsversuche des Geschehenen reicht, je nach Werthierarchie, von Schicksal, Los, Vorsehung, Fügung, Sternzeichen bis zu Zufall und höherer Gewalt oder Neid, Eifersucht, Missgunst und bösem Willen.

«Was mich nicht umbringt, macht mich stark», hat aber hier mehr Richtigkeit, weil das Bild vom Knick falsch ist und zu Resignation und Depression führt. Das kann zwar zur Verarbeitung dazugehören; doch durchgestandene Niederlagen und Widerstand wecken Kräfte. Aber in unserem Empfinden, mit unseren oberflächlichen Beziehungen, in unserer Neidkultur ist der Karriereknick so etwas wie eine Katastrophe; der Anfang vom Ende, ein Bruch! Dabei sind Veränderungen Türschwellen für die Zukunft.

Ein Wortspiel führt zu neuen Überlegungen: «Er ist zwar weg vom Fenster. Dafür stehen ihm wieder alle Türen und Wege offen.» – Jeder Weg führt zu einem Ziel, nicht nur zu einem Karriereziel, auch zu einem Lebensziel oder gar zum Sinn des Lebens, so wie Gott ihn uns geben möchte. Ich schöpfe meine Sicherheit nicht aus kurzfristiger Erfüllung des Budgets, vom Zuwachs der Marktanteile oder aus Äusserlichkeiten wie Applaus, Presseberichten, Titeln, Verwaltungsrats-Mandaten etc., sondern aus festen, inneren Werten. Übrigens, die Karriere von Jesus

Christus «scheiterte» nach einem ungerechten Prozess am Kreuz. Diese scheinbar gescheiterte Existenz aber hat unsere Kultur und Geschichte der letzten zwei Jahrtausend bestimmt.

Demut versus Hochmut


Von grösster Bedeutung im Zusammenhang mit Beziehungen und Führung ist ein Begriff, ja – eine Lebenshaltung und daher ein Führungsverhalten. Demut – im Gegensatz zu Hochmut. Demut ist eine Gesinnung. Oft bewirkt Erkenntnis Demut. Persönliches Erkennen von Schwachheit, Unvermögen, von Versagen und Limiten. Zugegeben, Hochmut bringt oft Erfolg, aber wichtiger ist Demut, weil sie Frucht bringt. Erfolg / Hochmut macht Menschen gross, ist aber vergänglich. Vergleichbar mit einem Baum, der seine Früchte behält, bis sie verfaulen. Demut gibt die Früchte weiter.

Erfolg ist die Machbarkeit aller Dinge, alles ist programmier- und kalkulierbar. Erfolg wird so lange gesteigert, bis man nichts anderes mehr wahrnimmt als die eigenen Ergebnisse. Die angestrebte Produktivität kann das Ende von Beziehungen sein. Die Fruchtbarkeit hingegen schafft keine Sachverhalte. Sie schafft Leben. Der grösste Mut ist demzufolge der Mut zur Demut!

Und noch etwas kommt hinzu: Mut machen ist eine sehr wichtige Führungseigenschaft! Das braucht Charakter. Zuhören z.B. braucht Demut, nicht Hochmut. Ja, dem anderen zuhören ist oftmals gar nicht so einfach. Die Qualität unserer Freundschaften, ihr Wirkungsgrad am Arbeitsplatz, der Zusammenhalt in der Familie – alle unsere Beziehungen werden weitgehend davon beeinflusst, ob wir gute Zuhörer sind oder nicht. Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie man sich fühlt, wenn man das, was einen intensiv beschäftigt, erzählt und dann feststellt, dass der andere gähnt und nicht wirklich zuhört. Meine Frau weiss es jedenfalls.

Jesus sagte über seine Zuhörer: «Mit sehenden Augen sehen sie nicht und mit hörenden Ohren hören sie nicht.»1 Heute ist das nicht anders; man kann mit zwei intakten Ohren innerlich taub sein. Zuhören erfordert Überwindung der eigenen Trägheit, aber auch den Abbau von Vorurteilen. Zuhören kann bedrohlich erscheinen – da nämlich, wo wir mit Kritik konfrontiert werden. Aber von meinen Kritikern werde ich Dinge lernen, die Freunde mir nie sagen würden.

Die Herausforderung

Als Geschäftsmann, Führungskraft und Christ, all das gleichzeitig, weiss ich, dass Gott mein Schöpfer ist. Er hat mich geschaffen. Er ist und gibt mir eine Basis; die erforderliche Lebensgrundlage, auf welcher ich mein privates und geschäftliches Leben aufbauen kann.

Wenn ich führen darf, muss ich zuerst gelernt haben, mich selbst zu führen und mir selber zu trauen! Aber wie denn? Als Führungskraft brauche ich, wie jeder Mensch, zuerst und unbedingt ein Selbstwertgefühl. Nur wenn ich mich selbst annehme, wie ich bin, und nicht abhängig bin von Anerkennung, kann ich erfolgreich wirken. Weil Jesus Christus für mich, für meine Sünden gestorben und auferstanden ist, weiss ich, dass er mich bedingungslos liebt und annimmt, so wie ich bin; unvollkommen und mit Schwächen.

Ja, das ist natürlich besonders für uns Männer schwer einzusehen! Masken ab, Ende des Rollenspiels, sich selbst sein und sich so annehmen und akzeptieren, wie man ist und nicht, wie man scheinen möchte.

Auch bei Führungskräften, sogenannten Dickhäutern, lässt die Realität des Lebens, insbesondere der Arbeitswelt, irgendwann am eigenen Selbst zweifeln.

Die persönliche, tägliche Beziehung zu Gott gibt mir die erforderliche Vision und Kraft für meine Arbeit. Seine Liebe gibt mir Energie. Die Geborgenheit in ihm gibt mir Vertrauen. Das ist praktisch erlebbar, tagtäglich, in kleinen wie in grossen Dingen.

Es ist einfach und unspektakulär, Christ zu werden. Es braucht weder Kenntnisse noch Voraussetzungen oder fleissige Kirchenbesuche. Dieses eine Mal ist nicht unsere Leistung gefragt! Es braucht Liebe und die innere, geistige Hingabe an Jesus Christus. Jesus sagt: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, ohne mich kann niemand zum Vater kommen.»2

Gottes Gnade ist, dass er uns nicht gibt, was wir verdienen. Gottes Barmherzigkeit ist, dass er uns gibt, was wir nicht verdienen. Vorerst wird Ihnen die Gnade Gottes geschenkt und dann bedarf es vier konkreter Schritte, um eine persönliche Beziehung mit Jesus Christus zu beginnen:

  • Sie müssen annehmen, dass Gott Sie liebt.

  • Sie akzeptieren, dass die Gemeinschaft mit Gott durch die Sünde des Menschen zerstört worden ist.

  • Sie anerkennen Jesus Christus als Gottes Weg aus der Sünde. Allein durch ihn kann der Mensch eine persönliche Beziehung zu Gott finden.

  • Sie nehmen Jesus Christus als Ihren


Herrn und Erlöser persönlich an. Nur wenn ich selbst weiss, wo die Tankstelle für mein Leben ist, und ich dort auftanke; bei Gott und bei Jesus, kann ich solch hochrangige Substanzen wie Liebe und Vertrauen an meine Mitmenschen weitergeben, mit ihnen erfolgreiche Beziehungen dauerhaft pflegen.

Immer nur geben müssen, kaum oder nur wenig auftanken zu können und ständig Gefahr zu laufen, die eigene Tankstelle, die Familie und die persönlichen Beziehungen zu verlieren, das sind schlicht und einfach unhaltbare Voraussetzungen für eine erfolgreiche Führungsleistung.

Mit Gott leben heisst nicht, keine Probleme mehr zu haben. Vielleicht habe ich andere Probleme! Aber Gott schenkt mir Ruhe, Frieden und Gelassenheit. Das ist nicht Fassade und Maske, das hat mit inneren, soliden Werten zu tun. Wir brauchen eine Sicherheitszone, eine feste, stabile Zone. Gott gibt sie! Alleine schaffen Sie es nicht, auch wenn Sie meinen, es zu können!

Ich bin überzeugt, dass Gott seine Liebe auch in der Geschäftswelt schenken will. Er weiss von unseren Auseinandersetzungen; er verlässt uns nicht, er wünscht sich nur unser Herz. Ich habe als Führungskraft und Christ klare Vorteile. In der Praxis heisst das zum Beispiel:

  • Gott befähigt zur Nächstenliebe; das setzt Energie und Kraft frei

  • ich kann mich als wertvoll akzeptieren; das lässt mich Kritik annehmen

  • ich habe keine Zukunftsangst; das lässt Innovation und Mut zu

  • meine persönliche Schuld ist vergeben; das erhöht meine Effizienz und Produktivität.

 

Die Zusage


Als Führungskraft brauche ich auch Inspiration für neue Strategien, Strukturen, Produkte, Kunden, Dienstleistungen, Menschen, Beziehungen etc. Wie kann ich das? Genau wie Josua. Als er seine schwierige Führungsaufgabe übernehmen musste, gab ihm Gott ein Rezept, das auch für mich gilt:

«Sei tapfer und entschlossen. Befolge mein Gesetz, das dir Mose übergeben hat, und lass nicht das geringste davon ausser acht; dann wird dir alles gelingen, was du unternimmst. Lies regelmässig aus meinem Gesetz und denke Tag und Nacht darüber nach, damit dein ganzes Tun an meinen Weisungen ausgerichtet ist, dann wirst du Erfolg haben und wirst alles, was du beginnst, glücklich vollenden.»3

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1 Matthäus 13,13

2 Johannes 14,6

3 Josua 1,7-8

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«Als Führungskraft brauche ich Inspiration für neue Strategien, Strukturen, Produkte, Kunden, Dienstleistungen, Menschen, Beziehungen.
Gott gibt mir die erforderliche Vision und Kraft für meine Arbeit. Seine Liebe gibt mir Energie. Das ist praktisch erlebbar – tagtäglich!»

Der Autor

Yves Enderli

Yves Enderli

CH-Würenlos

ist ein international tätiger Unternehmer; Oberstleutnant in der CH-Armee und ehem.Elite-Ama teur-Radrennfahrer.Er ist seit 29 Jahren verheiratet mit Franziska.
Sie haben drei Söhne und eine Tochter im Alter von 21 bis 26 Jahren.

 

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