

Vor einiger Zeit las ich eine Beraterstudie besonderer Art. Da hatte sich ein Personalberater mit dem Thema beschäftigt: Wie reagieren eigentlich Manager in Situationen, wo sie schon bald gefeuert werden? Die Resultate dieser Studie waren absolut katastrophal. Die meisten dieser Leute fingen an, härter zu arbeiten und abends länger im Büro zu bleiben. Das war schon mal schlecht, denn damit dokumentierten sie, dass sie zuvor zu wenig gearbeitet hatten. Es gibt Dinge, die sollten klugen Leuten nie passieren. Noch viel schlimmer wurde es, als man sie fragte: «Was denken Sie eigentlich, wofür Sie hier Ihr hohes Gehalt beziehen?» Keiner dieser Leute hatte begriffen, dass er nicht für Arbeit bezahlt wird.
Menschen in hochkarätigen, anspruchsvollen Berufen werden nicht für Arbeit bezahlt, auch nicht für Intelligenz, Professionalität oder Loyalität, sondern ausschließlich dafür, dass sie für ihren Arbeitgeber einen hohen Nutzen erbringen. Und wenn der Nutzen, den sie erbringen, ein einzigartiger Nutzen ist, den ihre Kollegen nicht erbringen können, dann brauchen sie nie Angst zu haben, dass sie gefeuert werden. Wenn sie allerdings ein halbes Dutzend Kollegen haben, die den gleichen Nutzen erbringen zu niedrigerem Preis, dann sollten sie schon darauf warten, entlassen zu werden. Es ist erstaunlich, wenn man das Menschen klar macht, dass die meisten das Wort «Nutzen» nicht mögen. Viele sprechen dann sofort vom Phänomen des «ausgenutzt Werdens».
Das ist allerdings nur ein Problem für Menschen, die nicht auseinanderhalten können, was ein Nutzen und was ein Wert ist. Ich verkaufe meinen Nutzen für Geld. Aber meinen Wert bekomme ich von dem, der mich gemacht hat, von Gott. Meinen Wert biete ich nie an, ich biete nur meinen Nutzen an. Wenn ich krank werde, reduziert sich mein Nutzen, aber nicht mein Wert. Und wenn ich meinen Wert von Gott bekomme, dann habe ich keine Schwierigkeiten, mich auch einmal «ausnutzen» zu lassen; denn ich werde dabei nicht «entwertet».
Der Wertewandel in der modernen Welt ist bizarr geworden. Nicht nur der Marktwert von Managern, auch der Börsenwert von Unternehmen, das heißt der Shareholder Value und der Markenwert von Unternehmen sprengen unsere Vorstellungen bei weitem. Wussten Sie beispielsweise, dass der Markenwert von Coca-Cola deutlich höher ist als der gesamte Unternehmenswert des weltgrößten Automobilbauers General Motors, und dass der Börsenwert von Microsoft 15-mal höher ist als der von BMW? Der eine verkauft tolle Autos von Weltklasse. Der andere verkauft nichts anderes als die Denkprodukte seiner Mitarbeiter.
Wer sich früher, in der Old Economy, für ein anderes Unternehmen interessierte, der studierte dessen Bilanz und versuchte, 51% zu erwerben. In der New Economy erwirbt man nicht mehr als 10 bis 15% eines Unternehmens und versucht dann schnell und wirksam, das Innovationskapital dieses Unternehmens anzuzapfen oder abzuwerben.
Der wahre Konkurrenzkampf der Zukunft wird sich nicht um wichtige Kunden, sondern um außergewöhnliche Menschen abspielen. Diese zeichnen sich durch eine Kombination besonderer Qualitäten aus, plakativ durch eine Kombination von drei verschiedenen Qualitäten: Kompetenz, Energie und Integrität.
Gehen Sie einmal davon aus, dass von diesen drei «Integrität» die heute eher seltene Qualität ist. Sie ist ein Persönlichkeitsmerkmal und entsteht nicht durch Studium. Integrität heißt bewusste Wertmaßstäbe haben und leben. In diesem Konkurrenzkampf der Zukunft, der längst angefangen hat, haben Christen fantastische Chancen. Sie haben einfach mehr Ressourcen zu ihrer Verfügung als andere Menschen. Dies hat zu tun mit den folgenden Tatsachen:
Christen haben sich freiwillig an eine höchste Autorität gebunden und können erst dadurch akzeptable Autorität für andere sein. Sie manipulieren nicht mehr. Christen ist ihre persönliche Schuld vergeben worden. Sie haben dadurch zu einem echten, persönlichen Frieden gefunden und können somit produktiver sein. Christen können sich selbst als wertvoll akzeptieren und brauchen sich nicht mehr laufend vor anderen zu beweisen. Sie können Kritik annehmen, ohne zurückzuschlagen. Christen werden zu wahrer Nächstenliebe befähigt und finden dadurch Zugang zur wichtigsten Befähigung: zur Menschenführung. Liebe gibt immer mehr Führungsenergie. Christen haben keine Zukunftsangst mehr und damit mehr Kraft und Energie zur kreativen Gestaltung von Gegenwart und Zukunft.
Die Grundregel des Führens heißt aber: Wer sich selbst nicht führen kann, der sollte auch andere nicht führen. Betrachten wir, was Jesus Christus zum Thema «Führen mit Werten» zu sagen hat: «In dieser Welt unterdrücken die Herrscher ihre Völker und Diktatoren lassen sich als Wohltäter feiern. Aber bei euch sollte das nicht so sein. Wer der Erste sein will, der soll sich zunächst einmal allen anderen unterordnen. Wer führen will, der muss zunächst dienen lernen. Selbst ich, der Herr, bin euer aller Diener geworden. » Hier entstand die Basis für das später in den siebziger Jahren in Kalifornien entstandene Führungskonzept «Serving Leadership».
Als Jesus einmal gefragt wurde, wie wir Menschen mit den wichtigsten Werten richtig umgehen sollten, da sagte er: «Jeder, der sich einmal entschlossen hat, sich kompromisslos auf meine Seite zu schlagen, der wird dann auf eigene Wege und eigene Ziele verzichten. Er wird auch bereit sein, jeden Preis zu zahlen, um ganz sicher zu mir zu gehören. Denn genau das, was ein Mensch um alles in der Welt aus eigener Kraft festhalten möchte, genau das wird er schlussendlich todsicher verlieren. Wer meint, sich selbst verwirklichen zu können, der wird die Wirklichkeit des eigentlichen Lebens verpassen. Wer aber bereit ist, den ganzen Ballast seiner eigenen Weltanschauungen, Vorstellungen, privaten Wünsche und Ziele abzuwerfen, um ganz sicher auf meiner Seite zu sein, der wird dann mit meiner Hilfe das eigentliche Leben finden und es in Fülle erleben. Überlegt doch einmal ganz nüchtern: Was hätte denn ein Mensch nun davon, wenn er sich alles leisten könnte, was diese Welt zu bieten hat, aber dafür den Preis der Zerstörung seiner selbst zu zahlen hätte? Oder noch anders gefragt: Gibt es irgend etwas, worüber ein Mensch sicher verfügt, das ihm die Durchsetzung seiner eigenen Lebensplanung garantiert, irgend etwas, mit dem er seine eigenen Ziele quasi erkaufen oder ganz sicher durchsetzen könnte? Überlegt doch einmal!»1
Mit Werten führen heißt, Menschen Wert zu geben. Menschen Wert geben kann ich aber nur dann, wenn ich selber über einen intakten Selbstwert verfüge. Es ist eminent wichtig, woher ich meinen Selbstwert beziehe. Nicht aus meiner Leistung – da entsteht mein Nutzen, nicht mein Wert.
Aber wie führt man denn nun erfolgreich mit Werten? Vor einiger Zeit kam in den Vereinigten Staaten ein interessantes Buch auf den Markt mit dem Titel «Lessons from the top – auf der Suche nach Amerikas Top Führungskräften ». Die Meinungsforscher von Gallup waren ausgezogen und besuchten 200 Spitzenkräfte der besten amerikanischen Firmen, 170 Chefs der schnellstwachsenden Privatunternehmen, 88 Führungspersönlichkeiten von Non-Profit-Unternehmen und 117 Dekane oder Präsidenten wichtiger Universitäten. Und an das Ganze legten sie eine extrem hohe Latte.
Allen legten sie eine Liste vor mit 10 Faktoren, ohne die sich ein Manager nicht erfolgreich nennen durfte. Und zwar mussten sie alle 10 erfüllen, ohne Ausnahme, wobei es konkret um die folgenden Faktoren ging: Garantie langfristigen Erfolgs, visionäre und strategische Fertigkeiten, Bewältigung von Herausforderungen, Entwicklung einer exzellenten Organisation mit herausragenden Leuten, Integrität und starker Charakter, unternehmerische Phantasie und Pioniergeist, nachweisbare Impulse für eine Branche, Wirtschaft oder Gesellschaft, Urheber einer nachhaltigen Innovation, beispielhafte Kundenorientierung sowie soziale Verantwortung.
Es stellte sich heraus, dass wirklicher Erfolg immer an bestimmte Lebensmuster gebunden ist, an bestimmte Wertmaßstäbe und an bestimmte Spielregeln. Die wirklich erfolgreichen Manager sind alle integre und beispielhafte Führungspersönlichkeiten, umgeben sich mit Menschen, die anders sind als sie selbst. Sie meiden geschmeidige Jasager, verjagen aber auch notorische Neinsager. Sie inspirieren ihre Mitarbeiter zu geistiger und menschlicher Größe und belohnen experimentelle Fantasie, bauen ein exzellentes Führungsteam auf mit Leuten, die häufig besser sind als sie selbst. Sie entwickeln große Ideen und haben die Überzeugungskraft, Begeisterung für diese Ideen zu entfachen. Dabei halten sie Krisen aus, sind erstaunlich bescheiden, wenn es um die Erklärung des Erfolgs geht, und weisen ihrem Führungsteam immer den größeren Anteil zu. Sie haben trotz der Hektik des modernen Geschäftsalltags ihren inneren Frieden.
Dem gegenüber sind heutzutage Heere von Managern Tag für Tag damit beschäftigt, Mitarbeiter zu ändern, zu bessern, zu anderen Menschen zu machen. Das ist jedoch gar nicht ihre Aufgabe. Und weil sie selbst keine Vorbilder sind, funktioniert das natürlich auch nicht. Die Hälfte aller Managementarbeit wird eigentlich auf diese Art und Weise vergeudet. In der Regel entwerten wir Menschen, wenn wir sie kritisieren und herum kommandieren. Jesus hat nie Menschen abgewertet; er hat sie immer nur aufgewertet. Das war sein Geheimnis. Er hat niemals einem Sünder den Kopf gewaschen. Er ging liebend gerne mit denjenigen Menschen um, die von der so genannten Gesellschaft als wertlos an den Rand gedrängt wurden. Das waren seine Leute, bis zu seinem Tod.
Erinnern wir uns an seine Kreuzigung. Wer bekam von Jesus das erste Angebot, ihn begleiten zu dürfen in den Himmel? Ein namenloser Ganove, ein «Wertloser». Und die dabei standen und sich selbst sehr hoch bewerteten, hörten zu und schäumten vor Wut. Wenn wir irgend etwas von diesem Jesus lernen können für unser Leben und unseren Beruf, besonders für unsere Führungsberufe, dann ist es: Menschen bewerten, Menschen aufwerten, Menschen Wert geben. Ein Mensch, dem wir Wert geben, der leistet dreimal so viel wie vorher.
Die besondere Rolle, die Werte in unser aller Leben spielen, wird besonders deutlich, wenn wir Jesus anschauen, obwohl er selbst diesen Begriff nie in den Mund nahm. Bei ihm bekommen die wichtigsten Werte unseres Lebens eine besondere Art von «Leuchtkraft». Niemand konnte Wahrheit so überzeugend in die Mitte stellen wie er. Da wurde nie darüber debattiert. Niemand konnte Liebe zu Menschen so überzeugend vorzeigen wie er. Da war jeder angewärmt. Diese von Jesus in die Welt gebrachte Liebe hat heute noch die gleiche Überzeugungskraft wie damals.
Ich rede immer wieder einmal zu Studenten von Wirtschaftshochschulen oder zu Managern über Menschenführung. Oft arbeite ich dann mit einer Folie, auf der ich einen Paulus-Text über Liebe in eine Art «Geschäfts-Deutsch» übersetzt habe: «Wenn ich alle Sprachen sprechen könnte und ein perfekter Kommunikator wäre, wenn ich aber Menschen nicht lieben könnte, dann würde ich letztlich doch nur Geräusch erzeugen, und ich würde andere nicht erreichen. Wer Menschen lieben kann, der hat Geduld mit ihnen. Er behandelt sie auch fair. Er stellt nicht immer wieder seine eigenen Vorzüge heraus. Er redet nicht zu anderen von oben herab. Er spricht mit ihnen, nicht zu ihnen. Wer Menschen liebt, kann deren Gefühle verstehen. Er sucht nicht immer wieder seinen eigenen Vorteil. Er kann sein Ego kontrollieren und lässt seinen Ärger nicht an anderen aus. Wer Menschen liebt, ist nicht nachtragend und hält anderen nicht immer wieder ihre Fehler vor. Er freut sich nicht insgeheim, wenn andere ausrutschen, sondern er freut sich, wenn dem anderen Gutes gelingt. Wer Menschen liebt, wird sie nicht aufgeben. Er vertraut ihnen, und er traut ihnen etwas zu. Er gibt ihnen Hoffnung und Ermutigung.»2
Eines müssen wir uns klar vor Augen führen. Auch Gott gibt uns niemals auf. Jeder Mensch ist wertvoll für ihn. Bedenken wir, dass der Schöpfergott jedem Menschen in den Genen 3,1 Milliarden Informationen mitgegeben hat für den Lebensweg. Wir sind aber nicht nur deshalb wertvoll. Wir sind wertvoll, weil er uns konzipiert, weil er uns gemacht hat. Derselbe großartige Gott lässt sich finden und will uns ewiges Leben schenken, wenn wir seinen Sohn, Jesus Christus, als Garanten um diese Rettung bitten und seine Retterfunktion annehmen. Dies geschieht, indem man sich an Gott wendet in einem ganz einfachen Gebet. Dieses könnte in etwa folgendermaßen lauten:
«Lieber, guter Herr, ich danke dir dafür, dass du deinen Sohn Jesus Christus in diese Welt geschickt hast, damit er in unser aller Leben das wieder in Ordnung bringen kann, was wir nie wieder in Ordnung bringen können. Herr Jesus Christus, ich habe erkannt, dass ich mein Leben bisher ohne dich gelebt habe. Ich habe so gelebt, als gäbe es dich nicht, und muss doch einmal am Schluss meine Fehler vor dir verantworten.
Durch deinen Tod am Kreuz hast du den göttlichen Schuldspruch über meinem Leben auf dich genommen, so dass das für mich bestimmte Urteil an dir vollstreckt wurde. Dadurch darf ich leben und deinen Weg für mich in Anspruch nehmen. Darüber hinaus bietest du mir eine persönliche Beziehung an, die mir die Möglichkeit gibt, für ein herausforderndes Leben gut ausgestattet zu sein. Herr Jesus Christus, ich nehme dein Angebot der Vergebung meiner Schuld und einer neuen Lebenspartnerschaft bewusst und gerne an. Ich danke dir für den hohen Preis, den du für mein Leben bezahlt hast.
Ich will mein Leben nicht mehr täglich allein meistern müssen. Ich will dich dabei haben. Bitte, komme in mein Leben, erfahrbar, erlebbar und auch sichtbar. Ich danke dir dafür, dass ich kommen kann, wie ich bin. Du bist ein Gott, der Wunder tut. Tu auch eines in meinem Leben. Mache mich zu einem neuen Menschen. Amen.»
Die Erfahrung zeigt, dass ein Christ in der Geschäftswelt gute Chancen hat. Christen haben durch ihren Herrn ganz einfach mehr Ressourcen zur Verfügung als andere Menschen. Sie haben die besten Voraussetzungen, mit Werten in Führung zu gehen.
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1 Matthäus 16,24-26
2 1. Korinther 13,1-7