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Die IVCG

 
Ausgabe 08/08 

Aschenputtel sucht ihren Traumprinzen Von der Traurigkeit zur Freude

«Ich bin so unglücklich. Ich will nicht länger leben; ich will sterben.» Diese Worte wiederholte ich immer wieder; verloren vor dem unaufgeräumten Frühstückstisch sitzend. «Das Leben ist zu schmerzlich, und es sieht nicht danach aus, als ob es irgendwann besser wird.»


Selbstmord schien mir wieder einmal der einzige Ausweg aus allem Weh und aus der Einsamkeit. Ernsthaft dachte ich, dass meine Familie besser dran wäre, wenn ich mich umbringen würde, statt so niedergeschlagen weiterzuleben. Und es würde Charlie endlich die Augen dafür öffnen, wie unglücklich und verzweifelt ich war.


Warum denkt eine junge Frau, die alles zu haben scheint – einen berühmten Ehemann, zwei gesunde Buben, ein großes Haus, zwei Autos, großartige Reisen – an Selbstmord?! Mein Vater war tief betroffen. Nur er und Charlie wussten, wie stark meine Depressionen waren. Charlie war hilflos und wusste nicht, wie er mit dem Problem umgehen sollte. Aber es verletzte mich, dass er nicht einmal Interesse zu haben schien, mir helfen zu wollen. – Ich wünschte mir, zu einem Eheberater zu gehen, und meinte, die Eheprobleme seien der Grund meiner Hoffnungslosigkeit.


Der Märchenprinz

Ich war so glücklich, als er mich damals in Boston zu umwerben begann. Charlie war Leutnant der Air Force und studierte am Massachusetts Institute of Technology, um seinen Masters Degree zu machen. Ich arbeitete im Aufnahmebüro der Harvard Business School.


Dieser junge Militärpilot war so verständnisvoll, mitfühlend und romantisch. Er wollte immer bei mir sein und rief mich auch am späten Abend an, wenn er eigentlich hätte lernen sollen. Er beschützte und umsorgte mich. Immer wieder sagte er, wie sehr er mich liebe und wie sehr ich für ihn etwas Besonderes sei. Es war wunderbar.


Mein liebstes Märchen war ‘Aschenbrödel’. Eines Tages hoffte ich, meinen Märchenprinzen zu finden. Er würde mich vom Boden abheben und das Versprechen ewiger Liebe würde alle meine Wünsche erfüllen. Wir würden eine wunderschöne Hochzeit haben und dann für immer glücklich sein. Als Charlie mich fragte, ob ich ihn heirate, sagte ich: «Charlie, du wirst für mich an erster Stelle stehen. Werde ich in deinem Leben auch an erster Stelle stehen?» Seine Antwort überzeugte mich, dass ich wirklich das Wichtigste in seinem Leben war. Und so heiratete Aschenbrödel ihren Märchenprinzen …


Nach 12 Jahren

Was war passiert? Wo war nur der Märchenprinz – und was aus dem ‘glücklich für immer’ geworden? Meine Traum- Seifenblase war zerplatzt. Kaum dass wir aus den Flitterwochen zurück waren, wurde mir klar:


Ich hatte nicht den ersten Platz in seinem Leben – zuerst kam sein Beruf.


Ich war verwirrt und verletzt und dachte: «Wenn er einmal seinen Abschluss geschafft hat, wird er wieder anders sein.» Aber glückliche Stunden wurden immer seltener. – Nicht weil Charlie zuerst Student, dann Testpilot, dann Astronaut und später Geschäftsmann war, sondern weil ihm seine Karriere das Wichtigste war. Ob er nun zu Hause oder weg war, ich fühlte mich einsam. Ich hatte ihn als meine Erfüllung angesehen. War er nett zu mir, war ich glücklich. Wenn er mich übersah, war ich traurig.


Eines Tages sagte Charlie: «Ich werde durch deine Wünsche gefordert, von den Buben, von meiner Arbeit und von dem, was ich tun möchte. Du musst für dich selber schauen.»


Einsamkeit

Waren Karriere und Selbstverwirklichung die Lösung? Ich fand selber eine Stelle, liebte die Arbeit, hatte Erfolg; die Zusammenarbeit mit Chef und Kollegen war großartig. Ich konnte reisen – aber ich war immer noch einsam.


Ich versuchte Marihuana, warf mich in die Party-Szene, flirtete und hoffte, Charlie würde eifersüchtig. Dann engagierte ich mich karitativ und auch in der Kirche. Es war befriedigend, anderen das Leben leichter zu machen, aber es füllte die Leere in mir nicht. Astrologie, Positives Denken und Selbsterkenntnis halfen nicht; ich konnte mich nicht selbst aus dem Elend herausziehen. Ich war nicht die Antwort; war nicht die Wahrheit; war nicht ewig. Ich musste etwas haben, das konstant und glaubhaft war und eine Bedeutung hatte. Etwas, das größer war als ich.


Nachdem ich auf so viele verschiedene Arten versucht hatte, Erfüllung zu finden, und es keine Antwort gab, kam ich zum Schluss: Warum weiterleben? Das Leben ist so schmerzhaft, einsam und leer, Tag für Tag. Es war nun Herbst 1975, als ich ohne Hoffnung war.


Erhörte Gebete, veränderte Leben

Wir erwarteten Gäste zu einem besonderen Wochenendprogramm in unserer Kirche. Als Mitglied der Gemeindeleitung fühlte ich mich verpflichtet, hinzugehen. Die etwa 30 Laien erzählten in kurzen Beiträgen von der Wirklichkeit Gottes, von erhörten Gebeten und veränderten Leben. Einiges war spektakulär, anderes einfach, aber alle bezeugten Jesus.


War das wahr? War Gott Wirklichkeit? War Jesus der Sohn Gottes?


Ich nannte mich Christin, weil ich in einem christlichen Land geboren und Glied einer christlichen Kirche war. Aber diese Leute glaubten, was Jesus von sich sagt,1 und dass er für ihre Sünden gestorben war. Gott lebe und sei Wirklichkeit, sie würden mit ihm reden, seine Stimme hören und er gebe Antwort auf Gebete. Sie sagten, dass Jesus mich liebe, so wie ich sei; ich müsse gar nichts dazu tun, um das zu verdienen. Alles, was ich zu tun hätte, wäre, es anzunehmen.


Diese Nacht betete ich ganz allein, auf den Knien neben meinem Bett.


«Gott, ich weiß nicht, ob es dich gibt; Jesus, ich weiß nicht, ob du der Sohn Gottes bist. Aber ich habe eine riesige Unordnung gemacht aus meinem Leben, und wenn es dich wirklich gibt, dann kannst du es haben. Wenn es dich aber nicht gibt, dann möchte ich sterben.»


Ich erzählte niemandem von meiner Entscheidung. Die einzige Veränderung war, dass ich nur noch an einer Stelle die Antworten suchte – nicht bei Charlie, nicht in der Arbeit, nicht in Selbsthilfe- Büchern, sondern bei Gott. Ich bat ihn jeden Tag, mich zu führen und mir beizustehen. Als ich auf mein erstes Gebet eine Antwort bekam, dachte ich, es sei ein Zufall. Doch nach zwei Monaten erhörter Gebete konnte ich es nicht mehr Zufall nennen. Gott erhörte und griff liebend ein. Ich fühlte mich zum ersten Mal in meinem Leben ganz geliebt.


Manchmal hatte ich eine wunderbare Zeit voll Friede und Liebe. Aber wenn Charlie kam und etwas Negatives sagte, war beides dahin. Gott wollte, dass ich Charlie liebe und ihm vergebe. Aber wie, wenn sein Benehmen und seine Worte mich weiterhin verletzten? Ein Berater sagte mir: «Niemand kann dich depressiv machen. Charlie kann dich nicht in eine Depression zwingen. Du selbst wählst deine Niedergeschlagenheit.»


Ich wollte solche Worte nicht hören und dachte, das ist Unsinn. Natürlich machte Charlie mich depressiv! Später begann ich, darüber nachzudenken und zu beten. Hatte ich wirklich die Freiheit und die Kraft, Frieden und Liebe zu wählen – anstelle von Niedergeschlagenheit? Gott zeigte mir, wie – und lehrte mich, in Liebe zu reagieren. Aber ich musste mein Selbstmitleid aufgeben und nicht mehr andere für meine Verletzungen verantwortlich machen.


Zweieinhalb Jahre später wurde Charlie eingeladen, an einem Bibelstudium teilzunehmen. Der Anspruch Jesu forderte ihn heraus und er begann zu verstehen, dass Jesus wirklich der Sohn Gottes ist. Er nahm ihn als seinen persönlichen Herrn und Erretter an. Jetzt steht Jesus an erster Stelle in unserem Leben und in unserer Ehe. Natürlich ist unsere Ehe nicht vollkommen, da wir noch unvollkommene Menschen sind. Aber wir wissen, an wen wir uns bei Problemen wenden. Gott hat mir ein neues Leben und eine neue Ehe gegeben. Ich hatte nach dem Prinz gesucht und habe den König gefunden – sein Name ist Jesus; der König der Könige.

_______________

1 Johannes, Kapitel 14, Satz 6: «Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben! Ohne mich kann niemand zum Vater kommen.»

Die Autorin

Dorothy Duke

Dorothy Duke

USA

verheiratet mit Charles Duke, Astronaut und Unternehmer, zwei Söhne

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313 K

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