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Die IVCG

 
Ausgabe 02/10 

Geist Gottes versus Zeitgeist

 

Paradox des Zeitgeistes

Allgemein gültige Weisheit ist, dass persönliche Zufriedenheit und Glück nicht mit materiellen, irdischen Gütern erreicht werden. Trotzdem ist das Streben nach Karriere und Reichtum heute stärker denn je. Dieses Paradox wird durch die Anerkennung und Bewunderung für erfolgreiche Menschen zusätzlich verstärkt.


Als 1997 Mutter Theresa und Lady Diana fast zeitgleich starben, störten sich viele an der unausgewogenen Berichterstattung. Diana wurde viel mehr Beachtung geschenkt. Eine nutzlose Unruhe, zumal es moralisch unsinnig ist, beurteilen zu wollen, welche von beiden ein ‘besseres Leben’ geführt hat, und dies mit der medialen Beachtung in Zusammenhang zu bringen.1 Diana war oftmals unglücklich und hatte Mühe, mit ihrem Ruhm umzugehen. Mutter Theresa hingegen beschreiben viele als Person mit unendlich viel Frieden, Dankbarkeit und Liebe in ihrem Herzen.


Erfolgreiche Menschen werden verehrt. Das ist Zeitgeist heute, hat aber mit Gottes Geist nichts zu tun. Im Hinblick auf das Paradies sagt die Bibel: »Viele, die jetzt einen großen Namen haben, werden dann unbedeutend sein. Und andere, die heute die Letzten sind, werden dort zu den Ersten gehören.«2 Bekanntheit und Reichtum führen weder zu irdischem noch zu himmlischem Glück. Weshalb streben trotzdem so viele Menschen danach?




Macht verleitet

Es scheint die Gerechtigkeit Gottes zu sein, dass solche, die mit wenig auskommen müssen, mindestens so glücklich sein können wie Reiche. Der Umkehrschluss, dass früher oder später alle Menschen, die erfolgreich sind und viel Reichtum besitzen, unglücklich sein müssen, ist hingegen falsch. Wer gewissenhaft mit Geld und Erfolg umgeht, der wird lange daran Freude haben.3


Durch Karriere und Geld wird einem Menschen Macht zuteil. Doch Macht betört. Sie hat eine große, dunkle Seite, welche von vielen unterschätzt wird. Diese Gefahr der Macht blenden wir aus. Wer ihr verfällt, wird Mühe haben, von ihr los zu kommen. Die negativen Aspekte der Macht verleiten dazu, sich im Hochmut über Menschen zu stellen, sie zu manipulieren oder auszunutzen. Macht führt oftmals zu wachsendem Egoismus.4 Sorge und Angst darum, das Erreichte zu verlieren, führen zu einer starken Konzentration eines Menschen auf sich selbst. Liebe für andere wie auch Liebe von anderen haben dann im Leben immer weniger Platz.




Liebe als Schlüssel

Aber Liebe ist das Wichtigste, um glücklich zu sein. »Ohne Liebe bin ich nichts.«5 Liebe leben wie auch Liebe fördern benötigt vor allem Zeit und eine gewisse Selbstlosigkeit. Zum Beispiel die Investition in die eigene Familie, der Aufbau und die Pflege von tiefen Freundschaften, die Integration in eine Glaubensgemeinschaft, das Fördern und Ermutigen von Mitmenschen und die selbstlose Unterstützung von Schwächeren. Alles Ausdrucksformen der Liebe.


Sind diese für Führungskräfte unter dem heute geltenden Zeitgeist noch zu leben? Oder sollen Menschen aufgrund der dunklen Seite der Macht auf eine Karriere verzichten?




Führungsposition als Segen

Nelson Mandela sagte in seiner Antrittsrede zur Regierungsübernahme im Jahr 1994 folgende eindrücklichen Worte: »Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes zu verwirklichen, die in uns ist. Und wenn wir unser eigenes Licht erstrahlen lassen wollen, geben wir unbewusst anderen Menschen die Gelegenheit, dasselbe zu tun.«


Es ist wichtig, sich der Herausforderung zu stellen, eine Führungsposition zu übernehmen. Gott hat uns Begabungen geschenkt und wir sollten für diese die Verantwortung übernehmen. 6 Dies hat einen positiven Einfluss sowohl auf Arbeitgeber wie auch unterstellte Mitarbeitende.


Menschen mit starken persönlichen Werten schrecken manchmal vor Funktionen oder Branchen mit negativem Image zurück. Genau hier ist aber ein wesentlicher Unterschied zu machen. Nicht die Funktion oder die Branche sollte ausschlaggebend sein, sondern die Frage, ob ich als Person mit meinen Werten unversehrt bleibe. Selbstverständlich ist es oftmals schwierig abzuschätzen, wie weit die persönliche Überzeugung bei einer neuen Stelle akzeptiert werden. Deshalb gilt es, mit Behutsamkeit und Weisheit zu agieren. Falls das Motiv für die Übernahme einer Führungsposition ein Streben nach Macht und Reichtum ist, geht die gute Absicht bestimmt verloren.




Anhaltender Segen


Wie wird eine Führungsposition zum anhaltenden Segen?


Wer dem Zeitgeist erliegt, der meint, dass zum Erfolg ein verschärfter Konkurrenzkampf notwendig ist – und dass nur Gewinner geliebt werden.


Die verantwortungsbewusste Führungskraft übernimmt für gute und schwache Mitarbeitende Verantwortung7 und ist sich ihrer Vorbildfunktion bewusst. Wie der Vorgesetzte damit umgeht, wenn einzelne im Team schlechte Leistungen erbringen, das wird sich bei den meisten auf ihren Einsatz auswirken und den Gesamterfolg beeinflussen.


Jeder Mensch wird im Verlauf seiner Berufskarriere Fehlentscheidungen treffen. Scheitern ist ein Teil des Lebens (wer unschuldig ist, der werfe den ersten Stein). Es ist kein Grund, vor der Verantwortung zurückzuschrecken oder aufzugeben. Ein weiser und konstruktiver Umgang mit eigenen Schwächen und persönlichem Versagen macht aus Führungskräften wahre Spitzenkräfte.



Last but not least

Wir alle benötigen Liebes-Tankstellen. Glaube, Familie und Freunde schenken Energie. Wenn aber Familie und Freundschaften zu Gunsten der Karriere vernachlässigt werden, dann wird es bald an Liebe und Freude mangeln.


Bleibe ich trotz Erfolg und wachsendem Reichtum bescheiden? Wenn nicht, führt Reichtum und Macht zu einer Abhängigkeit, deren Verlust ich mir wortwörtlich nicht mehr leisten kann.8


Glück und Zufriedenheit bei Führungskräften liegen in erster Linie in Liebe und Dankbarkeit. Der Geist Gottes hilft uns am Besten dabei.



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1 »Urteilt nicht über andere, damit Gott euch nicht verurteilt.« Matthäus, Kapitel 7, Satz 1
2 Matthäus, Kapitel 19, Satz 30
3 »Wer weise ist, wird lange leben und Reichtum und Ansehen erwerben.« Sprüche, Kapitel 3, Satz 16
4 »Wer sich rühmen will, der rühme das, was Gott getan hat.« 2. Korinther, Kapitel 10, Satz 17
5 1. Korinther, Kapitel 13, Satz 1
6 »Jeder soll dem anderen mit der Begabung dienen, die ihm Gott gegeben hat.« 1. Petrus, Kapitel 4, Satz 10
7 »Wenn jemand deine Unterstützung braucht und du ihm helfen kannst, dann weigere dich nicht.« Sprüche, Kapitel 3, Satz 27
8 »Ein Reicher dagegen soll niemals vergessen, wie wenig sein irdischer Besitz vor Gott zählt. Wie eine Blume auf dem Feld wird er samt seinem Reichtum vergehen.« Jakobus, Kapitel 1, Satz 10 Thema

Der Autor

Jan Küpfer

Jan Küpfer

CH-Oberrieden

verheiratet mit Rebecca Küpfer; PhD-Doktorand mit Spezialisierung auf Corporate Governance und Corporate Social Responsibility

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